Berchtesgaden-Tour 2008

 

06. - 12. Juli 2008: Pässetour im Berchtesgadener Land

Am Morgen des 6. Juli, am Tag nach Mendig-Budel, stand eine Woche Höhentraining in den Berchtesgadener Alpen auf dem Programm. 08bgaden1Am Morgen nach der Anreise, nachdem ich mich im beschaulichen Bischofswiesen häuslich eingerichtet hatte, machte ich mich gleich auf zu einer knapp 86 km langen Einrolltour in der Umgebung. Ab Berchtesgaden ging es vorbei am Königssee und über Ramsau hinauf zum 1183 m. hohen Hirschbichl, dem ersten Pass der Tour. Auf der 9 km langen Fahrt zur Passhöhe erwarteten mich neben leichtem Nieselregen zwei überaus steile Rampen mit extremen Steigungswerten von über 25%, die mir schwer zusetzten und mich beinahe zum Absteigen gezwungen hätten. Kurze Zeit später befand ich mich jedoch schon neben dem Passschild und machte mich nach einem hastigen Selbstporträt wieder zurück ins Tal. Vorbei am Hintersee ging es noch über den „Wachterl“ und bei mittlerweile strömendem Regen weiter über Bad Reichenhall zurück nach Bischofswiesen.

Für den zweiten Tag war ein Abstecher in die Region um Salzburg mit dem Gaisberg (1265 m.) geplant. 08bgaden2Bei erneut leichtem Nieselregen folgte ich der Bundesstraße über Marktschellenberg nach Elsbethen, wo die knapp 11 km lange Auffahrt zur Gaisbergspitze begann. Auf halbem Wege prasselten wie aus dem Nichts sintflutartige Regenfälle nieder und zu allem Überfluss war die Straße von dieser Seite wegen Bauarbeiten gesperrt. Nichtsdestotrotz setzte ich die Auffahrt fort und konnte die matschige Schotterstraße an der Baustelle passieren. Pünktlich mit Erreichen des Gipfels hörte der Regen auf und so genoss ich bei angenehmem Sonnenwetter das herrliche Bergpanorama und den Blick auf Salzburg. Auf der Rückfahrt setzte jedoch alsbald wieder der Regen ein und wieder einmal kam ich durchnässt nach Hause.

Bestes Radsportwetter überraschte mich jedoch am dritten Tag. Bei angenehmen 25°C und Sonnenschein machte ich mich auf die 140 km lange Tour durch Österreich, auf großer Runde um den Berchtesgadener Nationalpark. 08bgaden3Über Unterau und Hallein radelte ich durch das Salzachtal bis nach Bischofshofen, von wo aus der Weg hinauf zum Dientener Sattel (1370 m.) und dem benachbarten Filzensattel (1306 m.) führte. Zuerst mit angenehmen Steigungswerten um 8%, später mit dauerhaft zweistelligen Werten, wand sich die ausgebaute Passstraße vor der Kulisse des Hochkönig (2941 m.) bergauf und verlangte mir einiges an Kraft und eine Menge Schweiß ab. Eine kurze Abfahrt sowie erneut steile Rampe später war auch der Filzensattel erreicht und ich machte mich in die Abfahrt nach Saalfelden. Von hieraus ging es überwiegend flach bis nach Weißbach bei Lover, wo abermals der Hirschbichl die Überfahrt zurück nach Deutschland versperrte. Auch von dieser Seite warteten wieder extreme Steigungen bis zu 30% auf, die große Schmerzen in den Muskeln verursachten. Mit letzter Kraft rettete ich mich über die Passhöhe und erreichte gegen Abend ziemlich erschöpft die Unterkunft.     

Am folgenden Tag tauschte ich das Fahrrad gegen die Wanderschuhe und machte mich zu Fuß von Berchtesgaden auf zum 1820 m. hohen Kehlsteinhaus. Nach einem anstrengenden, 4-stündigen Aufstieg in der Mittagshitze war das berühmte „Teehaus“ schließlich erreicht und ich erfreute mich unter zahlreichen Touristen am atemberaubenden Panorama der umliegenden Bergwelt. Nach einem kurzen historischen Rundgang war es dann auch schon wieder an der Zeit für den Abstieg.

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Die Königsetappe der Tour fand am fünften Tag statt. Auf bereits bekanntem Wege ging es zum „Warm werden“ nochmals über den Hirschbichl nach Weißbach und dann durch das Zeller Becken über Zell am See bis nach Bruck, wo der Aufstieg zur berühmten Großglockner-Hochalpenstraße (2504 m.) begann. Auf der 32 km langen Passstraße galt es über 1800 Höhenmeter mit durchschnittlich 8,5 % Steigung zu überwinden. Verliefen die ersten 10 Kilometer bis zur Mautstation noch relativ flach, blieb die Steigung ab hier konstant über 10% bis zur Passhöhe. Schier endlos schien mir der Weg bis oben, denn kilometerlang schraubt sich die Straße am Hang entlang, immer umgeben von der atemberaubenden Kulisse des Alpenhauptkamms. 08bgaden5Enorm erschwert wurde die Auffahrt noch durch Temperaturen über 30°C, doch nach zwei mühevollen Stunden seit Beginn in Bruck erreichte ich schließlich mit dem Fuscher Törl (2394 m.) den ersten Hochpunkt des Passes. Nicht lange verweilend machte ich mich nach einer kurzen Abfahrt weiter zum Hochtor (2504 m.), der eigentlichen Passhöhe der Hochalpenstraße, wo ich einen Blick auf die steile Abfahrt der Südseite werfen konnte. Zurück am Fuscher Törl waren meine Kräfte am Berg inzwischen fast aufgebraucht, die letzen 2 steilen Kilometer auf der Kopfsteinpflasterstraße hinauf zur Edelweißspitze (2571 m.), dem höchsten Punkt des Tages, mussten aber noch gemeistert werden. Mit buchstäblich letzter Kraft erreichte ich auch diesen Hochpunkt und genoss für ein paar Minuten die unvergessliche Aussicht. Im Anschluss ließ ich es dann auf der langen Abfahrt ordentlich laufen und fuhr in lockerem Tempo auf dem Hinweg zurück nach Weißbach, um mich nach 170 gefahrenen Kilometern dort abholen zu lassen. Den Hirschbichl hätte ich an diesem Tag wohl nicht mehr bezwungen!

Völlig verregnet war der Morgen des letzten Tages und so schob ich die geplante Ausfahrt zur Rossfeld-Höhenringstraße auf den frühen Nachtmittag. 08bgaden6Zum Einrollen ging es zuerst noch einmal von der Nordseite über den Schwarzbachwachtsattel bzw. „Wachterl“ (868 m.) und dann später in Berchtesgaden hinauf zur Rossfeldstrasse. In den sehr steilen Anfangskilometern bis zum Obersalzberg merkte ich sogleich die Anstrengungen des gestrigen Tages und kam deshalb nur sehr langsam voran. Nach gut 80 Minuten war der Berg schließlich bezwungen und mit dem Ahornbüchsenkopf (1560 m.) die letzte Passhöhe der Tour erreicht. Erleichtert genoss ich die noch einmal die tolle Aussicht und begab mich ziemlich fertig in die steile Abfahrt der Ostseite und zurück nach Bischofswiesen. Am Ende der Tour waren insgesamt 580 Kilometer, 9 Passauffahrten und ca. 10000 Höhenmeter bewältigt. Die Generalprobe für die anstehende Alpentour in die Schweiz war somit erfolgreich abgeschlossen.

Martin Schäfer

 

     Bilder der Berchtesgaden-Tour 2008 (#56)

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Ein ausführlicher Bericht und weitere Bilder befinden sich bei Quädlich.de

 


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