03. Mai 2008: Jedermann-Version des belgischen Frühjahrsklassikers in den Ardennen.
Nach einer kurzen Nacht machten Paolo Ferrara und ich uns am frühen Samstagmorgen auf den Weg ins belgische Spa zum Start des Ardennenklassikers . Bei Sonnenaufgang und winterlichen Temperaturen um 4°C ging es auf die knapp 210 Kilometer lange Marathonstrecke und gleich von Beginn an rauf und runter über einige der berühmten „Côtes“, jene giftigen Anstiege im rauen Bergland der Ardennen, von denen insgesamt 20 an der Zahl folgen sollten. Auf den Spuren der Profis, die sich hier eine Woche zuvor an manchen Steilstücken der heutigen Strecke duellierten, passierten wir die typisch belgischen, idyllischen Ardennendörfer und wurden das Gefühl nicht los, jeden vorhandenen Anstieg in der Umgebung mitzunehmen, der Nächste immer etwas steiler als der zuvor.
Nach der Hälfte der Strecke begannen nach den zahlreichen Steigungen die Beine bereits ordentlich zu schmerzen und die rasch ansteigenden Temperaturen bereiteten ebenfalls zunehmend Schwierigkeiten. Glücklicherweise verlief das nächste Teilstück überwiegend flach im Tal, wo wir uns einer großen Fahrergruppe anschlossen und den ersehnten Windschatten nutzen konnten.
Nach ca. 140 gefahrenen Kilometern hatten wir uns wieder etwas erholt und fingen auch gleich an zu scherzen über die Warnungen anderer Fahrer, dass uns das Schwerste erst noch bevorstehe. Das Lachen sollte uns bald vergehen, denn schon wenig später meldete sich das wellige Terrain zurück. Nacheinander folgten nun extrem steile Rampen wie der „Col du Stockeu“ mit dem berühmten Denkmal zu Ehren von Eddy Merckx und der „Côte de Wanne“, bei denen mir die Dreifachkurbel sehr gelegen kam. Hinter einer kurzen Abfahrt wartete dann gleich nach dem Ort Coo der steilste Anstieg des Tages, der "Thier de Coo“ (links). Urplötzlich scharf rechts ab von der Hauptstraße ging es teilweise auf Schotterbelag mit Spitzenwerten von über 25% Steigung einige hundert Meter weit bergauf. In der prallen Sonne und später im Wald kämpfte hier jeder Fahrer für sich und wir hatten Probleme, im Wiegetritt nicht wegzurutschen oder gar stehen zu bleiben. Oben angekommen gönnten wir uns bei reichhaltiger Verpflegung eine kurze Verschnaufpause und beobachteten mit einem Lächeln die schmerzverzerrten Gesichter der ankommenden Fahrer. Auf den letzten Kilometern ließen wir es dann ruhig angehen und genossen mit hunderten von Gleichgesinnten die Fahrt hinauf zum „Col du Rosier“, dem langen, finalen Anstieg vor der Abfahrt nach Spa.
Sehr erschöpft, aber auch glücklich, erreichten wir schließlich nach ziemlich genau 9 Stunden und 3835 Höhenmetern das Ziel und waren uns einig über ein einmaliges, außergewöhnliches Radsport-Erlebnis, das jeder Radsportfan einmal erlebt haben sollte und dem eine baldige Wiederholung folgen muss.
Martin Schäfer
Bilder vom Walonischen Pfeil 2008

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