10. - 15. Juli 2008: Pässetour im Schweizer Kanton Wallis
Nach einer fast einmonatigen, krankheitsbedingten Pause kam mir die Gelegenheit gerade recht, am 10. Juli in ein kleines Trainingslager in den Schweizer Alpen aufzubrechen. Mein Quartier bezog ich in Saas Grund im Wallis. Hier finden sich in unmittelbarer Nähe 14 Viertausender mit dem höchsten Berg, der komplett auf Schweizer Boden steht, dem Dom (4545 m).
Am ersten Tag wollte ich das noch gute Wetter nutzen und gleich einige Höhenmeter mit dem Rennrad absolvieren. Nach der Abfahrt von Saas Grund (1559 m), nach Stalden begann direkt der 15 km lange Anstieg zur Moosalp. Ich hatte von Beginn der im Schnitt 8 % steilen, aber landschaftlich sehr schönen Straße mit der schwülen Hitze zu kämpfen und war heilfroh, dass ich mein Ersatzrad mit Dreifachkurbel dabei hatte. Nach der anstrengenden Auffahrt erreichte ich den höchsten Punkt auf 2048 Metern, um nach kurzem Aufenthalt gleich wieder denselben Weg zurück zu fahren. Von Stalden aus waren jetzt noch einmal auf 15 Kilometern knapp 700 Höhenmeter zu überwinden. Als kleines Finale fuhr ich noch 300 Höhenmeter weiter hinauf in den Skiort Saas Fee (1798 m).
Am zweiten Tag wurde das Wetter schon schlechter und ich entschied mich zu einer kurzen Runde mit dem Mountainbike zur 2400 m hohen Seilbahnstation Kreuzboden.
Tags darauf war das Wetter zum Radfahren kaum noch geeignet. Eigentlich wollte ich an diesem Tag an einem Berglauf teilnehmen, wovon mich das schlechte Wetter und meine fehlende Form dann allerdings abhielten. So machte ich mich als Zuschauer zu Fuß auf die Strecke und bewältigte die knapp 1000 Höhenmeter bis zum Ziel.
Obwohl ich dachte, schlechter könne es nicht mehr werden, überraschte der nächste Morgen mit Neuschnee bis auf 2300 m. An Radsport war also erneut nicht zu denken. Daher beschloss ich mit meinem Vater eine Bergtour zu machen und das 3143 m hohe Mittaghorn zu besteigen. Der immer höhere Schnee im oberen Bereich des Bergs und ein sehr dichter Nebel, der uns die Orientierung stark erschwerte, machten uns schwer zu schaffen. Es blieb dann nach knapp 1500 Höhenmetern nur die Entscheidung zur Umkehr ohne den Gipfel zu erreichen, da der Schnee auf blankem Fels im Geröllfeld ein unkalkulierbares Risiko darstellte.
Schon gegen Abend zeichnete sich eine rapide Wetteränderung ab, sodass ich für meinen letzten kompletten Tag in der Schweiz meine Königsetappe plante. Bei bestem Wetter brach ich morgens mit dem Auto in Richtung Oberwald am Fuße des Furkapass (2436 m) auf. Selbiger war auch die erste Hürde, bei der es über Gletsch, am Rhonegletscher vorbei, 900 Höhenmeter zu bewältigen gab. Von der Passhöhe bot sich dank des tollen Wetters ein gigantischer Fernblick auf die weißen Riesen der Schweizer Alpen. Als nächstes stellte sich der St. Gotthard (2109 m) in den Weg. Allerdings waren von Hospental nur 600 Höhenmeter auf 9 Kilometern zu fahren. Nach der Abfahrt, welche zeitweise über die Kopfsteinpflasterstraße durchs Val Tremola führte, stand mit dem Nufenenpass (2478 m) der größte Brocken auf dem Streckenplan. Schon deutlich angeschlagen machte ich mich auf die 22 Kilometer mit immerhin 1300 Höhenmetern. Da ich diese Seite des Nufenen noch nicht gefahren war, kam mir die Straße bei schwindenden Kräften schier endlos vor. Erst auf dem letzten Kilometer wird das Ziel, die Passhöhe, sichtbar. Die Abenddämmerung brach bereits herein, als ich endlich vollkommen erschöpft den höchsten Punkt der Tour erreichte.
Nach diesen Anstrengungen unternahm ich am letzten Tag, an dem ich Mittags die Heimfahrt antreten wollte, noch eine kleine Mountainbiketour zum Mattmarkstausee. Die Staumauer des Sees liegt bei 2200 m, was also noch mal einen Anstieg von knapp 700 Höhenmetern voraussetzte.
Martin Reis
Bilder der Saas Grund-Tour 2008 (#70)

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