400km Brevet Köln 2009

 

16. Mai 2009 – "Rund um das Ruhrgebiet" auf der 400 km Langstrecke.

Nach den tollen Erlebnissen beim 300er Brevet Ende April war für mich ziemlich schnell klar, dass die 400 km folgen mussten. Der Schritt von den bereits gewohnten Marathondistanzen über 200 km zu den 300 km war ja nicht allzu groß gewesen und gestaltete sich letztlich einfacher, als erwartet.
Die doppelte Marathondistanz sowie einen Teil der Strecke bei Nacht zu absolvieren, sollte jedoch physisch wie psychisch eine deutlich größere Hürde darstellen.

Diesmal ohne Paolo und Martin, die beide anders verplant waren, stand ich also wieder in Brühl am Start. Um 6 Uhr in der Früh versammelten sich ca. 30 weitere Randonneure unterschiedlichen Alters vor der Sporthalle und nach einem gemeinsamen Foto ging es auch schon los, zunächst wieder in gemächlichem Einrolltempo. Ein paar der mit uns gestarteten Liegeradfahrer preschten dagegen gleich mit Vollgas los und waren schon nach einem Kilometer über alle Berge. Wir sollten sie erst wieder viel später, einige überhaupt nicht mehr, zu Gesicht bekommen.

Die Strecke verlief zunächst flach wie ein Brett am Rande von Köln vorbei und über Grevenbroich in Richtung Krefeld. 400brevet1Anfangs waren die Temperaturen noch sehr frisch und das Tempo blieb moderat, doch nachdem die Motoren erst einmal warm gelaufen waren, ging vorne im Fahrerfeld die Post ab. Die erfahrenen Langstreckenfahrer, darunter auch Teilnehmer aus Großbritanien, reihten sich an der Spitze ein und ließen die Tachonadel bis 40 km/h hochschnellen. Hinten konnte sich der Großteil von uns im Windschatten zurückhalten und so den ersten Teil des Weges schnell hinter sich bringen. „Bloß jetzt keine Panne“, dachten wohl die meisten, denn wer der Gruppe nicht folgen konnte, musste auf eigene Faust weiterfahren. Dadurch ebenfalls zu einem zunehmenden Problem wurde das Wasserlassen. So nutzten wir meist die kurzen Standzeiten an den Ampeln, um in den nächsten Graben zu springen und hektisch „unser Bedürfnis zu erledigen“.

Zur ersten Kontrollstelle kamen wir bereits nach knapp 3,75 Stunden bei Km 124 in Xanten. Kurz darauf wurde per Rheinfähre der Fluss überquert und weiter in Richtung Wesel gerollt. Einige Fahrer hatten sich mittlerweile bereits nach Vorne und Hinten verabschiedet, ich befand mich in der zweiten Gruppe mit ca. 15 Fahrern. Zusammen fuhren wir auf dem tellerflachen Kurs entlang der Grenzen des Ruhrgebietes und erreichten gegen Mittag die zweite Kontrolle in Lüdinghausen (Km 213). Da ein Gruppenmitglied nur unweit von hier wohnte, lud er uns spontan zu sich nach Hause zum Nudelessen ein, sehr zur Freude aller Teilnehmer.

Nach dem willkommenen Mittagsmahl ging es weiter gen Süden durch die Stadt Lünen und zwischen Unna und Dortmund nach Lüdenscheid (Km 305) im Bergischen Land. Hinter Dortmund kamen dann auch langsam die ersten kleineren Hügel auf und unser Tempo reduzierte sich. 400brevet2Bis hierher waren die Anstrengungen des Tages bei mir kaum zu spüren und ich konnte es nicht glauben, dass wir schon 300 km in den Beinen hatten.
Die anstehenden ca. 70 km bis nach Siegburg hatten es jetzt in sich, warteten hier doch zahlreiche längere Anstiege und teilweise kurze Steilrampen auf uns. Die Strecke führte teilweise wieder auf bekannten Wegen des 300er Brevets, meist über schmale Landstraßen und vorbei an ländlichen Dörfern. Da ich mich noch bestens fühlte und generell als Bergfahrer verstehe, hielt ich mich von nun an meist Vorne auf und bestimmte im Wechsel mit ein paar anderen Kletterern das Tempo in den Auffahrten. Des Öfteren lieferten wir uns ein kleines Bergrennen, was mir am Ende noch fast zum Verhängnis werden sollte.

In Siegburg, bei Km 380, befand sich dann wieder die vierte und letzte Kontrolle, welche wir gegen 21:30 Uhr erreichten. 400brevet3Die vorangegangenen Bergfahrten hatten mich inzwischen völlig fertig gemacht und ein paar Dosen Cola sollten gegen die zunehmende Müdigkeit abhelfen. Mittlerweile war die Nacht herein gebrochen und die verbleibenden ca. 35 km mussten in der Dunkelheit bewältigt werden. Alle Fahrer schalteten ihre Beleuchtung an und es war erhöhte Vorsicht geboten. Jeder musste hellwach sein, um keine Stürze im Feld zu verursachen. Für mich hieß es jetzt nur noch, einfach weiter zu treten, irgendwie die Augen offen zu halten und auf die Strecke zu konzentrieren. Trotz der Dunkelheit lief alles glimpflich ab und wir kamen auf den flachen, letzten Kilometern nach Brühl zügig voran.

Um 23:15 Uhr, nach 408 Km und 14h35min Fahrzeit rollten wir schließlich gemeinsam ins Ziel, wo Getränke und etwas Verpflegung bereit standen. Alle in unserer Gruppe waren sich am Ende einig über eine fantastische Tour, die meisten, darunter auch ich, werden die anstehenden 600 km in diesem Jahr wohl nicht in Angriff nehmen. Vielleicht gibt es aber schon im kommenden Jahr ein Wiedersehen in Brühl. Ich werde ganz sicher wieder dabei sein!  

Martin Schäfer

"Bilder zum 400er Brevet Köln" (#27)
(mit freundlicher Genehmigung von Bernd Kiel, Telgte)

tbn400brevet

 


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