31. Mai 2009 – Rhön-Marathon/BDR-Supercup im hessischen Bimbach.
„Pfingsten fährt man in Bimbach“,
lautet der in Radsportkreisen bekannte Spruch zum mit Start in der hessischen 2000 Seelen-Gemeinde nahe Fulda. Pünktlich zur 20. Ausgabe dieser Veranstaltung wollte auch ich dabei sein, hatte ich doch schon vom vielen Lob über die gute Organisation und Strecke gehört. Dass der Marathon zur Serie des gehört, war ebenfalls ein weiterer Grund für meine Teilnahme.
Nach der Krankheitsbedingten Absage von Martin Reis machte ich mich also am sehr frühen Morgen alleine auf den Weg nach Hessen und begab mich kurz vor 6 Uhr in die Startaufstellung des 210 km langen Marathons, wo bereits zahllose Gleichgesinnte aufgeregt den Startschuss erwarteten. Nur wenig später setzte sich das 1161 Fahrer starke Marathonfeld in Bewegung und im Sog der riesigen Radfahrerkolonne ging es zunächst flach vorbei an Fulda. Im hinteren Teil des Feldes platziert, war ich die ersten Kilometer mit dem Überholen langsamerer Fahrer beschäftigt und suchte nach der für mich passenden Gruppe.
Verpflegungsstelle 1 bei Km 20 in Weyhers lies ich gleich links liegen und schloss mich zu Beginn des bis zu 18% steilen Anstiegs zur Ebersburg einigen schnellen Fahrern an. Mit zunehmender Steigung wurde das Tempo immer weiter erhöht und der Strom aus Radfahrern viel nun endgültig auseinander. Im steilsten Abschnitt konnte auch ich bald nicht mehr folgen und musste meine Begleiter ziehen lassen.
In der darauf folgenden Abfahrt fand ich jedoch schnell weiteren Anhang und gemeinsam rauschten wir mit über 80 Sachen ins Tal.
Bei Km 35 stand mit der 950 Meter hohen „Wasserkuppe“ (höchster Berg der Rhön und in Hessen) die nächste schwere Hürde auf dem Programm. Lange Zeit ging es hier auf schönen Landstraßen mächtig bergauf und ich hatte beinahe das Gefühl, auf einem Alpenpass unterwegs zu sein. Auch in dieser Auffahrt viel unsere Gruppe wieder auseinander, doch diesmal gehörte ich zu den Schnelleren und überquerte mit etwas Vorsprung auf die anderen den Berggipfel. Auf der anstehenden Talfahrt wäre ich dann beinahe erfroren, denn nass geschwitzt und dummerweise ohne Windjacke unterwegs, setzten mir der frische Wind und die kühlen Temperaturen am Morgen sehr zu.
Zu meinem Glück lies die nächste Steigung mit der „Hohen Hölle“ (893 m) nicht lange auf sich warten und bis zur zweiten Kontrolle auf dem „Schwedenwall“ wurde es wieder wärmer.
Nach kurzer Stärkung verlief die Strecke nun durch Bayern und eine Zeit lang etwas flacher, was jedoch nicht bedeutete, dass ich mich erholen konnte. Zurück im Tal gesellte ich mich erneut zu einer ca. 20 Mann starken Gruppe und wir begannen das Windschattenfahren. Das Tempo wurde enorm hochgehalten und selten fiel der Tacho unter die 40 km/h-Marke. Wegen des teilweise heftigen Windes musste ich mehrmals reißen lassen, konnte mich aber immer wieder ans Ende der Gruppe herankämpfen. Bei Kontrolle 3 (Fladungen) nach 90 gefahrenen Kilometern hatte ich den Großteil meiner Kräfte bereits aufgebraucht und bekam auch den Schlafmangel der vergangenen Nacht zu spüren. Müde und ausgezehrt beschloss ich deswegen, von nun an mein eigenes Tempo zu fahren und ging den Anstieg hinauf zum Heidelstein (926 m) sehr langsam an. Ab hier war der schwerste Teil des Tages bereits geschafft und es kamen fast nur noch kürzere Anstiege.
Gegen Mittag erreichte die Route Thüringen und ich hatte mich wieder recht gut erholt. Auch die Müdigkeit verschwand, als bei Kontrolle 4 in Kaltensundheim eine Nudelmahlzeit serviert wurde. Im Anschluss fand ich mich abermals in einer Fahrergruppe und mit jedem gefahrenen Kilometer lief es, trotz enorm ansteigender Hitze am Mittag, bei mir immer besser. Ich spannte mich zunehmend in die Führungsarbeit mit ein und wie bei einem Straßenrennen wurde die Fahrt im Flachen und an den welligen Hügeln immer mehr zu einem Ausscheidungsfahren.
Wer dem Tempo an der Spitze nicht mehr folgen konnte, fiel aus der Gruppe und musste alleine weiterkämpfen. So blieben bis zur letzten Kontrolle in Margretenhaun (Hessen) nur eine Hand voll Fahrer übrig. Die letzten ca. 25 Km bis zum Ziel wollte ich dann eigentlich alleine locker ausrollen, doch als ich sah, dass die Marke von 8 Stunden Fahrzeit zu knacken möglich war, war dies Motivation genug, um mit ein paar weiteren Mitstreitern nochmals Vollgas zu geben. Am Ende blieb die Uhr bei 7h:58min stehen, bei 210 absolvierten Kilometern und 3500 Höhenmetern für mich eine gute Leistung.
Im Ziel erwartete die Teilnehmer schließlich ausgelassene Volksfeststimmung und das ganze Dorf bzw. die ganze Region schien vor Ort und am feiern zu sein.
Fazit: Die Professionalität des Veranstalters, die Massen von Teilnehmern, die reichhaltige Verpflegung an den Kontrollstellen und die selten schöne Strecke waren ein unvergessliches Marathonerlebnis, dass ich in Deutschland so bisher noch nicht erlebt habe. Bimbach verdient zu Recht den Ruf als eine der schönsten Breitensportveranstaltungen im Land und 2009 wird mit Sicherheit nicht meine letzte Teilnahme gewesen sein.
Martin Schäfer
"Bilder zum Rhön-Marathon in Bimbach" (#49)

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