Rad am Ring 24h-Rennen 2009

 

Rennbericht zum Einzelstart auf dem Rennrad beim 24-Stunden-Rennen.

Für 2009 beschloss ich nach den bisherigen Teilnahmen im 4er-Team, mich als Einzelstarter auf dem Nürburgring zu versuchen. Durch zahlreiche Radmarathons und die langen Brevet-Fahrten im Frühjahr sah ich mich gut gerüstet, um auf der Grünen Hölle alleine zu bestehen. Unterstützt wurde ich durch das Team von „Eifelpower“, in deren Lager ich mich einquartierte.

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Schon die ganze vorangegangene Woche und erst recht am Samstagmittag fieberte ich überaus nervös dem Start des Rennens entgegen. Als es nach einigen nicht enden wollenden Minuten in der Startaufstellung mit hunderten anderen Radsportlern endlich losging, verflog sogleich die ganze Anspannung und ich rollte im großen Pulk auf die erste Runde durch die Grüne Hölle. Die Teamfahrer legten natürlich von Beginn an ein hohes Tempo vor und so zog der Großteil der Starter schnell an mir vorbei. Ich lies es anfangs ziemlich ruhig angehen, um einen Sturz zu vermeiden. So fuhr ich mein eigenes Tempo und hielt mich aus dem Gedränge raus.
Schon bald ging es dann zum ersten Mal den knapp 5 km langen Anstieg zur Hohen Acht hinauf, wo sich die Spreu vom Weizen trennte und die riesige Fahrerkolonne langsam aber sicher auseinander bröselte. Die Beine noch nicht auf Betriebstemperatur, wollte sich das richtige Tempo bei mir nicht sofort einstellen und ich hatte schon einige Mühe bei der Überquerung der bis zu 18%-steilen Schlusssteigung. Mit Beginn der zweiten Runde kam ich jedoch immer besser ins Rennen und hatte meinen Rhythmus endlich gefunden. In den Abfahrten Fuchsröhre und Wehrseifen gab ich jetzt richtig Gas. Meine bisherige Spitzengeschwindigkeit von 88 km/h aus dem Vorjahr lies sich aber leider nicht übertreffen. Auf den folgenden Runden pendelte ich mich bei Zeiten von rund einer Stunde ein. Aus unserer Parzelle am Streckenrand sorgte Betreuer Heinz Geisbüsch unermüdlich für Getränkenachschub, weshalb ich ohne größere Pausen durchfahren konnte. In der 6. Runde, nach ca. 150 gefahrenen Kilometern, überkam mich zum ersten Mal leichte Müdigkeit. Eine kurze Pause samt stärkender Nudelmahlzeit sorgte schnell für frische Kraft und gut gelaunt setzte ich das Rennen fort.

Gegen 21:00 Uhr war es an der Zeit, die Beleuchtung auszupacken, denn allmählich brach die Dämmerung ein. Die Dunkelheit beeinträchtigte mich zunächst nicht besonders und ich fuhr weiterhin konstante Rundenzeiten. Auch in den Abfahrten behielt ich meine Geschwindigkeit bei, eine Schrecksekunde überkam mich jedoch gegen Mitternacht. Als in einer Abfahrt kurz nach der Hohen Acht plötzlich ohne Vorwarnung das Frontlicht ausging, musste ich in kompletter Finsternis das Rad zum Stehen bringen. Zum Glück hatte ich die Ersatzbatterien in der Trikottasche, um das Problem zu beheben, sodass es schnell weiterging.
Während des 13. Aufstiegs zur Hohen Acht gegen 3 Uhr früh war ich immer noch topfit und (wohl zu) sicher, dass ich das Rennen nun ohne Probleme beenden würde. Beine und Kondition waren gut, auch der Anstieg lies sich problemlos und zügig fahren. Doch wie aus dem Nichts ereilte mich gegen 4 Uhr früh ein unerwarteter, abrupter Leistungsabfall. Wieder auf dem Weg zum Berggipfel bekam ich starke Magenprobleme und die Beine wurden schlapp. Nur mit viel Mühe erreichte ich die Verpflegungsstation auf der Hohen Acht, wo ich sofort eine Menge Essen zu mir nahm. Besser wurde mir dadurch jedoch nicht und begleitet von aufkommendem Regen schleppte ich mich langsam bis zum Ziel. In unserem Zelt saß ich erst einmal eine Zeit lang ziemlich fertig da und wartete darauf, dass sich mein Kreislauf erholte. Übelkeit machte sich breit und ich konnte nichts mehr essen. Die eintönige Ernährung mit süßen Powergels und Riegeln stand mir bis zum Hals. Ich war ziemlich demotiviert und mir nun nicht mehr sicher, ob ich das Rennen fortsetzen bzw. beenden würde.  

Nach einiger Überredung der anderen Team-Fahrer und Betreuer legte ich mich für ca. 2 Stunden schlafen. Nach dem Aufwachen stellte ich erleichtert eine Besserung meines Zustands fest. Die Magenprobleme waren weg, ich hatte mich relativ gut erholt. Essen konnte ich auch wieder und so begab ich mich wenig später gegen 7:45 Uhr zurück auf die Strecke.
Mittlerweile war es wieder hell geworden und den Regen hatte ich glücklicherweise verschlafen. Die Gewitterwolken am Horizont sahen zwar bedrohlich aus, kamen zum Glück aber nicht näher. Langsam aber sicher fand ich zurück zu alter Stärke und nahm das vorherige Renntempo wieder auf. Mein einstiges Ziel von 20 oder mehr Runden war während des Einbruchs in der Nacht in weite Ferne gerückt, doch jetzt war ich wieder hoch motiviert und zuversichtlich, dass ich es schaffen würde. Bis zum Zielschluss um 12:45 Uhr musste ich noch 5 Mal den Rundkurs bewältigen. Wenn ich vorher über die Ziellinie fuhr, konnte ich noch eine weitere Runde dranhängen.
Also fuhr ich nun so schnell es ging und kämpfte mich bei später doch aufziehendem Nieselregen ein ums andere Mal über den zermürbenden Gipfel der Hohen Acht. Mit jeder weiteren Runde schwand zunehmend meine Kraft, zum Schluss kroch ich fast nur noch den Berg hinauf.
Gegen 12:35 Uhr passierte ich rechtzeitig zum 19. Mal die Boxengasse. Auf der finalen 20. Runde lies ich mir entsprechend viel Zeit und fuhr ganz ohne Zeitdruck. Große Erleichterung kam auf, nachdem das verfluchte Steilstück und damit insgesamt über 11000 Höhenmeter endlich hinter mir lagen. Als dann schließlich die Ziellinie nur noch wenige Meter entfernt war, war ich zu fertig um mich richtig zu freuen. Großartig war wie immer die Menge an Zuschauern, die allen Finishern zujubelte und applaudierte. Restlos geschafft, aber sehr zufrieden mit dem Erreichen der gesetzten Ziele stieg ich auf dem 35. Platz, nach insgesamt 457 Km und 19:35 h Fahrzeit, vom Rad.

Martin Schäfer

 


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