Mailand-Sanremo Jedermann 2009

 

07. Juni 2009 – Reisebericht zur 295 (bzw. 307) km langen "Primavera"

Die Idee zur Teilnahme am Radklassiker Milano-Sanremo reifte bereits im Herbst 2008. Was die Profis als ersten Frühjahrsklassiker bereits im März absolvieren, kann der trainierte „Hobbyradler“ jährlich Anfang Juni im wahrsten Sinne des Wortes erfahren. Vom RSC Mayen machten sich dieses Jahr Andreas Gondorf, Wolfgang Mai, Paolo Ferrara und Manfred Stein auf den Weg nach bella Italia. Begleitet wurde das Team von Jutta Mai und Barbara Gondorf. Am Freitag den 5.6. ging die Reise zunächst zum Comer See. Das Wetter hatte sich bis auf die Nordseite des St. Gotthard zu strahlendem Sonnenschein entwickelt um sich dann, auf der Südseite angekommen, in wolkenbruchartigen Regen und Sturm zu wandeln. Um die Stimmung zu halten, mussten also die obligatorischen Nudeln am Abend unbedingt durch eine genügend große Menge Vino Rosso ergänzt werden. Samstag morgen: Regen und noch mehr Sturm. Der Start lag nunmehr nur noch ca. 50 km weiter südlich und knapp 20 Stunden entfernt. Da half nur Hoffnung und optimistische Interpretation des italienischen Wetterberichtes. Westwinde sollten Samstag Nacht von Frankreich kommend die Wolken und den Regen gerade an dem Streifen der ligurischen Küste wegblasen, durch den sich Sonntag ein Heer von gutgelaunten Radlern Richtung Sanremo schlängeln sollte.

Samstag Mittag in Milano angekommen wurden die Startunterlagen in Empfang genommen. Noch eine Panne trübte die Stimmung. Italiener sind vielseitig und haben auch eine eigene Vorstellung von Kleidergrößen. Kurz: Paolo und Manfred passen in die Trikots, Andreas und Wolfgang beschließen kurzerhand eine Fastenrunde, nur so gibt es Hoffnung, dass die Trikots irgendwann mal passen. 09sanremo1Beim entspannenden Espresso dann ist er da, der Sturm und bläst uns fast den Pavillion weg unter dem wir Schutz  vermuten. Also schnell weg und Einchecken im Hotel. Es hat schon etwas Besonderes, wenn hunderte von Radlern nicht nur Gepäck, sondern auch ihre blinkenden Räder vorbei an der Rezeption in die Aufzüge und weiter mit auf's Zimmer nehmen. Die Italiener beweisen wiedermal ihre Vielseitigkeit und nehmen das Schauspiel gelassen. Abends: Nudeln und weniger Wein. Nachts dann wenig Schlaf, Vorbereiten…und schon bald klingelt der Wecker. Pünktlich um 5 Uhr gibt`s Nudeln. Diesmal mit weniger Soße, dafür Kaffee. Bald wird es still im Speisesaal und kurz darauf  quillen Radler und Räder aus den Aufzügen um sich auf die 3km lange Einrollstrecke Richtung Start zu begeben.

Der Wetterbericht hat Wort gehalten. Um Sieben schon Sonne, blauer Himmel und warm. Die Stimmung gut. Nach kurzem Warten gehts pünktlich um 7 Uhr, angeführt von einem Begleitfahrzeug, auf die Strecke. Hunderte Radler testen ihre Kondition und bringen sich, teils mit zu hohem Anfangstempo in eine geeignete Gruppe. Im großen Feld fahren, hupende Begleitfahrzeuge, lammentierende Italiener die trotz der Vielzahl anderssprechender Teilnehmer die Oberhand behalten, und alles ziemlich schnell. Die ersten 120km sind schnell gefahren, bevor es hügelig wird und sich das Feld beim Anstieg zum Turchino Pass zerbröselt. Herrliche Auffahrt zum Pass, jeder auf sich gestellt. Dann eine rasante Abfahrt hinunter nach Genua. Die erste Sicht auf's ligurische Meer verstärkt das Italo Feeling. Angekommen auf der Küstenstrasse versorgen uns die Damen mit Riegeln, Powergel und Wasser. Schnell muß es gehen, will man die bis dahin gute Zeit mit in's Ziel retten. Und nocheiner ist schon da: der Westwind. 09sanremo2Wie sich später herausstellte unser Begleiter für die restlichen km bis ins Ziel. Eingebaute Umleitungen und hektischer Verkehr können nicht verhindern, dass sich wieder Gruppen bilden. Nicht mehr so groß wie beim Start, aber nicht weniger kreativ, wenn es darum geht rote Ampeln zu überfahren. Wohlwollende Polizisten und verständnisvolle Autofahrer garantieren uns in allen Ortschaften freie Fahrt. Kurze Anstiege, tolle Ausblicke und kurz vor San Remo noch die zwei berühmten Anstiege „Cipressa“ und „Poggio“. Hier entscheidet sich beim Profirennen meist der restliche Rennverlauf. Immerhin haben wir den Profis voraus, das wir auf den weniger schnell gefahrenen Höhenmetern länger die Aussicht genießen dürfen. Auf den letzten Kurven hinauf zum Poggio sind die Schmerzen vergessen und man denkt nur noch an die letzten 5 km steilab nach San Remo. Nach kurzem Schlußsprint das erlösende Piepen der Zeitmessung. Auch wenn wir keinen der gut polierten Pokale ergattern können, ist die Zufriedenheit groß.

Am Abend dann: keine Nudeln, dafür mehr vom Vino Rosso und Bier. Ich glaube es gab auch Grappa dazu.

Alla prossima volta,

Manfred Stein

"Bilder zu Mailand-Sanremo" (#15)
(Erich Brassel, milano-sanremo.net)

tbnsanremo09

 


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