10x Marathon 2010

 

"Zehn Marathons in einem Jahr"

Die Idee hinter dem Projekt ist schnell erklärt: 2008 hat Vereinskollege Martin Schäfer immerhin 8 Marathonveranstaltungen erfolgreich beendet. Er hat dabei zwar nicht auf die Zahl geachtet und damit auch kein Ziel verfolgt. In der Betrachtung fiel mir aber auf, dass er doch fast jede Gelegenheit genutzt hatte (z.B. Alpenmarathon, Mendig-Budel, 2 Marathons am Pfingstwochenende) um Marathons zu fahren.
Also dachte ich darüber nach wie viele Marathons wohl in einem Jahr machbar wären. Die Zahl 10 schien mir ambitioniert genug, aber trotzdem gut machbar.
Das mag für manchen Ruhrgebietsradler ein Witz sein, da man dort im Umkreis von 100 km durchaus auf 15, vielleicht sogar 20, kommen kann (allerdings sind die dann meistens tellerflach). Bei uns ist dies schon schwieriger, umso mehr, wenn man auch noch anderes macht und so eventuell einige Gelegenheiten auf der Strecke bleiben.

Ich wollte schon sportlich und landschaftlich interessante Marathons fahren und habe daher an den folgenden Veranstaltungen teilgenommen:

Nr. 1:               17.04. – Köln
Nr. 2:               01.05. – Ochtendung
Nr. 3:               15.05. – Spa (Belgien)
Nr. 4:               23.05. – Bimbach
Nr. 5:               06.06. – Koblenz
Nr. 6:               11.07. – Huchum-Stammeln
Nr. 7:               25.07. – Siegburg
Nr. 8:               01.08. – Bonn
Nr. 9a:             22.08. – Herbesthal (Belgien) (gescheitert)
Nr. 9b:             28.08. – Gevelsberg
Nr. 10:             05.09. – Hennef

Doch vorab noch ein paar Zahlen zur Gesamtbilanz der 11 Veranstaltungen (inklusive eines Fehlschlags): 2282 km ca. 30462 Höhenmeter und leider auch ca. 2370 Anfahrtskilometer mit dem PKW.

 

17.04.2010:  200er-Brevet Köln – 205 km 2400 Hm

mara1

Zu viert machten wir uns bei bestem Aprilwetter an den ersten 200er der Saison. Topographisch anspruchsvoller als gedacht war es dann nichts mit der geplanten Grundausdauerfahrt (das lag natürlich auch am Tempo). Siehe Bericht.

01.05.2010:  Josef-Oster-Marathon Ochtendung – 218 km 2500 Hm

Ein relativ leichter Klassiker bei mäßigem Wetter. Nach den ersten 80-90 Eifelkilometern hat man den Großteil der Höhenmeter schon hinter sich. Danach kommt noch etwas Hunsrück, dann Mosel und schließlich das Schrumpfbachtal. Max und ich fuhren locker bis wir im letzten Drittel noch eine gute Trierer Gruppe erwischten.

15.05.2010:  Fleche de Wallonie – 220 km – 3835 Hm

mara2

Die Jedermannversion des Wallonischen Pfeils war mit fast 4000 Höhenmetern einer der schwersten Marathons des Jahres. Die kühlen Temperaturen und die technischen Probleme waren kleine Spaßbremsen einer sonst tollen Veranstaltung. Siehe hier.

23.05.2010:  Rhönmarathon Bimbach – 210 km – 3500 Hm

mara3

Der Rhönmarathon ist einer der berühmtesten und größten Marathons in Deutschland. Seine zentrale Lage und der bekannte Spruch „Pfingsten fährt man in Bimbach“ sorgen zusammen mit der perfekten Organisation für vierstellige Teilnehmerzahlen. Diese „Riesen-RTF“ hat uns definitiv richtig Spaß gemacht. Siehe Bericht.

06.06.2010:  Koblenzer Extrem-Radmarathon – 231 km – 4050 Hm

Es war in diesem Jahr meine fünfte Teilnahme in Koblenz. Dort hat man sich aber anscheinend Gedanken gemacht, wie man den Marathon attraktiver gestalten könnte. Die Antwort: Bei dem neuen „Extrem-Marathon“ wurde um über 1000 Höhenmeter aufgestockt. Mit Max zusammen wollte ich mich natürlich dann auch an dieser Extrem-Variante versuchen. Einige tolle neue Anstiege waren dabei. Vor allem am Anfang, früher gekennzeichnet durch 35 km Mosel, ging es jetzt ständig in den Hunsrück, rüber nach Boppard, wieder zurück, usw.. Fast den ganzen Tag war der Marathon durch große Hitze geprägt und so fuhren die wenigsten tatsächlich durch. Ganz am Ende erwischte uns nach fast 10 Stunden Fahrzeit dann auch noch ein richtiges Unwetter, was aber wegen der Temperaturen nicht weiter schlimm war.

11.07.2010:  Huchum-Stammeln – 204 km – 1040 Hm

Nach längerer Marathonpause wegen der eigenen RTF, dem 20h-Rennen in Fell, einer Bergtour usw. erkannte ich Anfang Juli, dass es bei großzügiger Betrachtung maximal noch 6 Veranstaltungen in vertretbarer Nähe gab, an denen ich teilnehmen könnte. Bei schon 5 gefahrenen hieß das, ich dürfte maximal eine verpassen. Daher entschied ich mich in Huchum-Stammeln, nahe Düren, einen vergleichsweise leichten Marathon mit nur 1000 Höhenmetern zu fahren. Nach der RLP-Meisterschaft im Einzelzeitfahren am Vortag (am offiziell heißesten Tag des Jahres) absolvierte ich an diesem Tag praktisch ein 200km-Einzelzeitfahren. Vom Start weg war ich alleine unterwegs und fand einfach keine Gruppen, mit denen ich hätte fahren können. Spät gestartet rollte ich dann das Feld von hinten auf und kam am Ende nach 200 km Alleinfahrt in unfassbarer Hitze immerhin mit einem 31er-Schnitt ins Ziel. So etwas wäre wohl bei einem schwereren Marathon kaum möglich gewesen.

25.07.2010: „Ins Wildenburger Land“ RV Siegburg – 200 km – 2674 Hm

Zusammen mit Paolo wurde der Siegburger Marathon eine landschaftlich schöne Tour bei Top-Verpflegung und gutem Wetter. Immer wieder fanden wir kleinere und größere Gruppen wo wir uns „hinten drauflegen“ konnten. Nach einer Woche Alpentour und nur 2 Tagen Pause war dieser Marathon genau das Richtige. Die Strecke führte zwar ständig über kleinere Hügel, doch es war immer angenehm zu fahren und so verging der Tag recht kurzweilig.

01.08.2010: Annonce-Radmarathon Bonn – 215 km – 3083 Hm

In Bonn war ich auch letztes Jahr schon bei ähnlichem Wetter, immer am Rand des Regens, also oft feuchte Straßen, aber auf jeden Fall warm genug, gestartet. Dieses Jahr fuhr ich zusammen mit Martin Schäfer, der einen Test für Ernährung nur durch Flüssignahrung unter schnelleren Bedingungen durchführen wollte. Am Ende stand nach 220 km und über 3000 Höhenmetern fast auf den Punkt genau ein 30er Schnitt. Das es so schnell werden würde, war natürlich eine Überraschung und hat auch einen speziellen Grund. Eine Gruppe starker Amateurfahrer, die ich vom Bonner Uni-Sport kenne, holte uns nach nur 15 km ein und nahm uns fortan ins Schlepptau. In flachen Abschnitten war fortan 40 km/h angesagt und die Berge ging’s mit Vollgas hoch. Gott sei Dank waren der Herr Schäfer und ich nach den Alpen gut drauf und konnten das Tempo mitgehen. Hat wirklich Spaß gemacht, noch mal danke an die Zugmaschinen.

22.08.2010:  Fleche de l’Est (gescheitert) – 205 km – 2900 Hm ( dann 155 km 2100 Hm)

Der „Ostpfeil“ war mein zweiter Auftritt in Ostbelgien in diesem Jahr. Trotz der räumlichen Nähe zum Fleche Wallone gab es einen auffallenden Unterschied: Alle Helfer des Veranstalters in Herbesthal bei Lontzen (ehemals zum Deutschen Reich gehörend) sprachen Deutsch (und zwar nicht als Fremd-, sondern als Muttersprache) und auch die Internetseite ist nur auf Deutsch. Auch die Verpflegung und der Aufbau der Veranstaltung erinnerten mich stark an eine deutsche RTF. Aufgrund der eben erwähnten Nähe zum Fleche Wallone gab es einige Streckenüberschneidungen, einige Teile wurden entgegengesetzt gefahren (z.B. Cote de Rosier und Cote de Wanne). Aber auch einige für mich neue und steile Abschnitte waren auf der Ardennenstrecke in der Nähe von Stavelot und Malmedy eingebaut. Organisatorisch war also alles perfekt und auch das Wetter war wirklich optimal zum Radfahren. Eigentlich hätte also Marathon Nummer 9 nichts im Weg gestanden, wenn, ja wenn ich nicht eine Streckenteilung verpasst hätte. Genau in Malmedy wurde es wegen des erhöhten Verkehrsaufkommens etwas unübersichtlich und genau dort muss ich das Streckenteilungsschild zwischen der 150er und dem Marathon übersehen haben. Ich folgte weiter den normalen Schildern, fuhr einen langen Berg hinauf und danach noch mal mindestens 15 km weiter bis ich langsam ins Grübeln kam. Nach einem Studium der Startkarte war mir klar, dass ich falsch war. Es bestand jedoch keine Möglichkeit mehr umzukehren, da ich dann die Strecke nicht mehr vor Kontrollschluss hätte beenden können.
Somit musste ich frustriert die 150er zu Ende fahren und hatte nun weiterhin noch 2 Marathons zu fahren.

28.08.2010:  Internationaler 16 Talsperren-Marathon Gevelsberg – 222 km – 3000 Hm

Glücklicherweise ließ sich Max Göke für diesen Marathon begeistern, denn ich weiß nicht, ob ich mich alleine aufgerafft hätte. Am Vortag hatte ich den FCK-Triumph über den großen FC  Bayern live im Stadion verfolgt und war erst um 2 Uhr zu Hause. Um halb 5 klingelte dann der Wecker und um 5 ging es los nach Gevelsberg bei Wuppertal. Das Wetter war sehr schlecht gemeldet und so rechneten wir damit, jederzeit wegen Nässe und Kälte aufgeben zu müssen. Ich wollte allerdings alles versuchen, da mit einem Scheitern hier mein Projekt wohl nicht mehr zu realisieren gewesen wäre.  Die Strecke führte ständig bergauf und bergab durchs Sauerland und später durchs Bergische Land vorbei an insgesamt 16 Talsperren.
Wir hatten auf den ersten 100 km auch soweit Glück, dass es zwar kühl war, aber weitestgehend trocken blieb. Dies änderte sich leider auf der zweiten Hälfte. Die ersten Schauer dauerten nur wenige Minuten und konnten mit etwas Glück durch Unterstellen vermieden werden. Kurz nach der vorletzten Kontrolle setzte dann aber ein wahrer Wolkenbruch mit Starkregen und Hagel ein. Wir retteten uns in eine Privatgarage und harrten der Dinge. Nach einer Viertelstunde wollten wir unser Glück versuchen, kamen aber wiederum nur knapp 1 km weit um uns dann wieder unterzustellen.
Nach knapp 45 Minuten Pause ging es aber doch weiter und wir erreichten wohlbehalten das Ziel.

05.09.2010:  Hennefer Radmarathon – 202 km – 2280 Hm

Dieser Marathon liegt traditionell terminlich sehr schlecht, da er immer mit unserer eigenen CTF in Mayen kollidiert. Daher bin ich ihn auch noch nie gefahren. Realistisch gesehen war er aber meine letzte Chance, die 10 voll zu machen. Daher habe ich nach Ausschildern am Vortag für den Veranstaltungstag der CTF von den Vereinskollegen frei bekommen und konnte starten. Vielen Dank noch mal dafür. Der Marathon selbst war bei tollem Frühherbst-Wetter ein sehr schöner Jahresabschluss, bei dem ich immer wieder einige Gruppen fand, mit deren Hilfe ich den Schnitt hoch halten konnte.

Martin Reis

 


zurück