15. Mai 2010 – Jedermann-Version des berühmten belgischen Radklassikers
Teil 1 - Jens Bous und Paolo Ferrara:
Nachdem der Kampf gegen den Wecker um 5:00 Uhr verloren war ging es zum obligatorischen Frühstück ( ein großer Teller Nudeln).
In Spa angekommen trafen Paolo und ich auch direkt auf unsere Kameraden Martin Reis und Max Göke, die den Marathon vor sich hatten. Paolo und ich haben uns allerdings mit dem „Petite Fleche“ zufrieden gegeben, der mit 166 km und 3155 Höhenmeter auch einiges an Respekt verdient.
Nach dem Start rollten wir bei trockenem Wetter durch Spa, um den ersten von insgesamt 16 Anstiegen den Côte de Hautregard zu bewältigen. Dieser zählt zu den unbekannteren, wobei der nächste wohl jedem Rennradfahrer bekannt sein sollte: Die Côte de la Redoute, zwar nicht der schönste Anstieg aber dennoch durch seine Rolle im Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich vielen Leuten sehr bekannt. Für mich gings einigermaßen einfach nach oben, allerdings immer im Hinterkopf das Restprogramm des Tages, das noch einiges an Höhenmeter zu bieten hatte. Auch die Information von meinem Mitfahrer Paolo war ganz klar die, dass die schweren Brocken erst in den letzten 40-45 km versteckt seien.
So rollten wir dann durch die Ardennen, deren Landschaft mich echt sehr beeindruckte. Trotz der eigentlich gemäßigten Geschwindigkeit machte sich bei mir ein immer stärker werdendes Hungergefühl breit, was mich aber nicht davon abhielt die Landschaft um mich herum zu genießen.
Das immer besser werdene Wetter erlaubte dann sogar schon zur frühen Stunde das Ausziehen der Windjacke, und ab dann gings es bei Sonnenschein mit kurzem Trikot bekleidet weiter.
Dennoch war ich sehr erleichtert als wir dann bei Km 53 die erste Kontrolle erreichten. Hier gings es dann darum die Speicher wieder aufzufüllen, was ich auch tat indem ich von den leckeren Teilchen zahlreiche gegessen habe. An der Kontrolle betrug unser Vorsprung auf die beiden Marathonfahrer Martin Reis und Max Göke noch ungefähr eine Stunde.
Paolo und ich rollten nach dem reichhaltigen Mahl mit vollem Bauch locker weiter. Man wurde immer wieder von schnelleren Fahrern und Gruppen überholt, was uns aber nicht von unserem Tempo abbrachte. Bei Km 106 war in Petit Thier Kontrolle 2 erreicht, wo sich für mich ein zuvor nie gesehenes Bild bot: Stau an der Kontrolle, Unmengen an Radfahren standen in einer Schlange an um zuerst Wassernachschub zu erhalten und danach Verpflegung. Immer noch nahezu gesättigt von den Unmengen Teilchen an Kontrolle 1 musste hier gegessen werden weil es ab hier dann bald ernst werden sollte. Hier wurde ich dann doch etwas nervöser, weil ich wusste, dass die von Paolo zitierten „schweren Dinger“ bald bewältigt werden müssten.
Bei Km 125 erreichten wir nach einer steilen Abfahrt Stavelot, wo es scharf links abging um dann noch steiler wieder bergan zu gehen. Jetzt waren wir im ersten der drei schweren Anstiege, der Côte de Stockeu, auch zu den bekannteren Anstiegen zu zählen. Aufgrund meiner relativ schweren Übersetzung mit 39-23 nicht gerade Alpen-tauglich, ging es nun um Leben oder Tot, ich musste bereits früh im Berg kämpfen , bin aber ohne absteigen zu müssen bis oben durchgefahren, was nicht alle geschafft haben. Oben wartete ich dann kurz auf Paolo um dann die zwei weiteren Anstiege Côte de Wanne und Thier de Coo zu bewältigen, hier musste ich Paolo jedesmal ein wenig ziehen lassen. Auf dem Gipfel von Thier de Coo hatten wir dann Kontrolle 3 erreicht, ich war sehr froh als ich oben angekommen war. Von unseren Marathonis war immer noch nichts zu sehen, wobei Paolo und ich eigentlich jeden Moment damit rechneten überholt zu werden. Was im Nachhinein unmöglich wurde durch einen Reifenschaden bei Martin, wie sie uns im Ziel berichteten.
Von nun an hatte man nur noch etwa 25km vor sich mit zwei weiteren Anstiegen, am Côte de Rosier war ich im mit meinen Kräften am Ende und musste mich wirklich quälen, weil meine Knie und Oberschenkel doch schmerzten. Aber nach der schönen Abfahrt nach Spa, hatte auch ich meinen ersten „Flèche“ geschafft!
Im Ziel angekommen waren wir uns einig ein absolutes Highlight der Jedermann Rennrad-Szene erlebt zu haben. Vielleicht wird 2011 der „richtige Fleche“ versucht.
Jens Bous
Teil 2 - Martin Reis und Max Göke:
... beim Marathonstart um 6:00 Uhr im begischen Spa mit einem Ziel: Wir wollten unsere Vereinskollegen Jens und Paolo einholen, um dann gemeinsam mit ihnen weiter zu fahren. Als wir gerade am Start losfuhren, kamen sie uns im Auto entgegen, daher war klar, wir hatten ca. 30-40 Minuten Vorsprung, aber 54 Kilometer mehr zu fahren. Am Anfang lief es recht flüssig, doch schnell bekam ich Probleme mit meinem Hinterrad während der Abfahrten. Nach ca. 40 km entdeckten wir auch den Grund dafür: Eine große Beule die sich bei hoher Geschwindigkeit verformte und den Rahmen berührte. Dadurch war an der Stelle der Gummi schon komplett verschwunden, also nur noch eine Frage der Zeit, wann die Karkasse endgültig kaputt ist. Nach einigen letztlich ergebnislosen Versuchen in gebrochenem französisch eine Lösung bzw. einen Radladen zu finden, mussten wir nach dem Prinzip Hoffnung weiterfahren. Nach diesen Zeitverlusten und zweimaligem Verfahren gingen wir wieder auf die Verfolgung von Jens und Paolo. An unserer 3. Kontrolle war der Abstand nur noch knapp 10 Minuten und wir hofften bei den folgenden schweren Anstiegen schnell aufschließen zu können. Doch schon am ersten Anstieg, der steilen Cote de Stockeu, gab das Material endgültig nach und eine aufwendige Reparatur kostete enorm viel Zeit. Mit einer abenteuerlichen Konstruktion (siehe Foto) gelang es Max meinen Reifen wieder fahrbereit zu machen, nur um in der folgenden Abfahrt selbst noch einen Platten zu bekommen. Wir hatten alles in allem knapp 1 Stunde verloren und fuhren den Rest der tollen Ardennenstrecke mit Ärger über Schwalbeprodukte und dem Versprechen in Zukunft doch wieder ausschließlich Continental-Reifen zu vertrauen. Im Nachhinein erfuhr ich aber per Zufall von einer Rückrufaktion bezüglich meines Ultremo R und schon hatte ich Ende der Woche 2 neue Mäntel, 2 Schläuche und ein Lebkuchenherz von Schwalbe. Damit ist der Ärger fast vergessen und wir blicken auf eine ereignisreiche Veranstaltung zurück."
Martin Reis
"Bilder zum Flèche Wallone 2010" (#14)

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