Rad am Ring 2010

 

21.+22. August 2010 – 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring

Teil 1: Bericht von Lukas Geisbüsch (24h-MTB-2er Team mit Julian Biefang):

Nachdem ich bereits einige Male die 24 Stunden auf der Nordschleife im RSC Viererteam bestritten habe und im letzten Jahr erstmalig auf der Mountainbikestrecke unterwegs war, stand dieses Jahr eine neue Herausforderung in der Grünen Hölle am Nürburgring auf dem Programm. Gemeinsam mit Vereins- und Teamkamerad Julian Biefang hatte ich mich dafür entschieden die 24 Stunden zu zweit in Angriff zu nehmen.

Aufgrund eines stark begrenzten Anreisezeitraums am Samstagmorgen, welcher für mich sehr frühes Aufstehen bedeutet hätte, beschloss ich nach dem Aufbau unseres Eifelpower Fahrerlagers am Freitag die Nacht am Ring zu verbringen. Gemeinsam mit meiner Freundin Laura-Maria und Teamkollege Michael Voss wurde so ein gemütlicher Abend in Mitten des bunten Treibens der übrigen Teilnehmer verbracht. Nachdem ich die Nacht mehr oder weniger gut geschlafen hatte (einen schönen Gruß an dieser Stelle an die Zeltnachbarn die bis ca. 3 Uhr den Aufbau ihres Lagers von Housemusik begleiten ließen), schälten wir uns gegen 8 Uhr aus unseren Schlafsäcken. Kurze Zeit später traf auch schon mein Vater mit frischen Brötchen ein, sodass wir erst einmal ausgiebig frühstücken konnten, während andere Teams noch ihr Lager einrichten mussten. Nach und nach trafen auch weitere Fahrer ein, die in anderen Teams bei Eifelpower untergebracht waren.

Die Zeit verging wie im Flug und so konnte ich mich schon bald in die Vorbereitungen meines Starts begeben. 10rar1An der Startlinie konnte ich mir schon einmal ein Bild über unsere Konkurrenten machen, das ein oder andere von Rennen oder Marathons bekannte Gesicht war auch dabei. Als dann endlich der Startschuss fiel, ging es los auf die Einführungsrunde über die Grand Prix Strecke. Von Beginn an wurde ein sehr hohes Tempo angeschlagen und so reihte ich mich in einer der Verfolgergruppen ein. Nach der ersten Zieldurchfahrt lag ich so auf dem dritten Platz der Gesamtwertung der Zweierteams. Nach meiner zweiten Runde wechselte ich dann auf meinen Teamkollegen Julian. Auch er konnte gut ins Rennen starten und unsere Position halten. So absolvierten wir dann Runde um Runde, unsere Wechsel funktionierten durchgehend perfekt. Mit der Zeit konnte sich dann ein Team nach vorne absetzen und so begaben wir uns mit drei anderen Teams, welche innerhalb von nur knapp vier Minuten lagen, auf die Verfolgungsjagd. Ständig waren wir in Zweikämpfe mit direkten Konkurrenten verwickelt und so wurde auch mit Einbruch der Dunkelheit das Tempo hochgehalten.

Irgendwann beschlossen wir dann, etwas an Fahrt rauszunehmen um die Regenerationsphase etwas zu verlängern, blieben aber dennoch dabei im Zwei-Runden-Rhythmus zu wechseln. Gegen Mitternacht musste ich in einer meiner Pausen stark gegen die aufkommende Müdigkeit kämpfen und versuchte mich mit koffeinhaltigem Powergel und Cola wachzuhalten, was mir auch gut gelang. Nach meinem nächsten Turn bekam ich dann von Julian den Tipp, doch mal eine halbe Stunde die Augen zu zumachen, doch der Zug war leider abgefahren: Ich war hellwach! Gegen vier Uhr morgens war ich dann doch irgendwann soweit ein wenig zu dösen, doch im Halbschlaf hörte ich: „…Julian kommt rein….“. Und wieder war ich wach und auf den Beinen. 10rar2Julian hatte entkräftet von der Nürburg aus angerufen und vermeldet, dass er nach nur einer Runde wieder ins Fahrerlager kommen würde. Von da an dauert es noch lange bis er endlich wieder bei uns war. Er war am Ende seiner Kräfte und musste von Franz „Cippo“ Weiler, welchen er zuvor noch im Anstieg zur Nürburg überholt hatte, über die Start-/Zielgerade geschoben werde. Noch in seiner Fahrradmontur legte er sich in einen Liegestuhl und schlief ein. Wie sollte es nun weiter gehen? Da ich nur geringe Erfolgsaussichten darin sah sofort alleine weiter zu fahren, beschloss ich erst einmal eine etwas längere Pause zu machen und auf den Sonnenaufgang zu warten, unsere gute Position war sowieso dahin. Also schlug ich mir den Bauch voll und legte die Beine hoch. Als es dann langsam wieder hell wurde, machte mich fertig und setzte in Begleitung von Felix Schneider das Rennen fort. So fuhren wir gemeinsam zwei lockere Runden bevor ich mich wieder zu einer längeren Pause ins Fahrerlager begab. Insgesamt fuhr ich so noch vier weitere Runde allein. In der Zwischenzeit hatte sich auch Julian wieder einigermaßen regeneriert, konnte auch wieder was essen und signalisierte, dass er noch eine Runde fahren würde. Kurz vor Rennschluss setzte er sich auf sein Rad und fuhr unsere vorletzte Runde, die letzte Runde fuhren wir dann gemeinsam.

Letztlich erreichten wir so nach sehr harten 24 Stunden den 14. Gesamtrang, was immerhin noch den dritten Platz in der Altersklasse bedeutete. Abschließend lässt sich sagen, dass es eine echte Erfahrung war, dass 24h-Rennen zu zweit in Angriff zu nehmen (ich musste mich immer wieder fragen wie Martin das allein schafft!). Abzuwarten bleibt nun in welcher Form 2011 an der Veranstaltung teilgenommen wird. An dieser Stelle noch ein herzliches Dankeschön an alle die uns bei unserem Rennen unterstützt haben!!!

Teil 2: Bericht von Martin Schäfer (Einzelstarter 24h-Rennrad):

Zum zweiten Mal nach meiner Einzelstart-Premiere 2009 stellte ich mich Ende August der 24 Stunden-Herausforderung am Nürburgring. Als Ziel formulierte ich die „500 km-Barriere“, was 20 Runden auf der in diesem Jahr verlängerten Strecke entsprach, gegenüber den 460 km bei gleicher Rundenzahl im Vorjahr.
Bei meinem ersten Versuch noch völlig unerfahren, wollte ich dieses Mal nichts dem Zufall überlassen und bereitete mich dementsprechend gründlich und langfristig auf meinen Saisonhöhepunkt vor. Eine durchdachte Trainingsplanung über die gesamte Saison hin sorgte für das Erreichen der Bestform pünktlich zum Renntag, zudem wählte ich eine neue Ernährungsstrategie in Form von Flüssignahrung, um die Magenprobleme wie beim Rennen in Fell oder im Vorjahr in den Griff zu bekommen.

Gegen 13 Uhr am Samstag war es endlich soweit und nach einer überwiegend schlaflosen Nacht sortierte ich mich überaus nervös in den schier endlos erscheinenden Pulk der Teilnehmer auf der Start-/Zielgeraden. Die letzten Minuten bis zum Start waren wie immer unerträglich, die Stimmung unter den Fahrern wie elektrisiert. Vor dem geistigen Auge lief bei mir noch mal die gesamte Vorbereitung ab und ich hoffte, an wirklich alles gedacht zu haben. Mit dem Countdown der letzten Sekunden war ich dann komplett auf das Rennen und mein Ziel fokussiert und die Anspannung verschwand augenblicklich mit Ertönen des Startsignals.
10rar3In dichtem Gedränge ging es nun auf die erste Runde und ich positionierte mich gleich außen am linken Fahrbahnrand, um eventuellen Kollisionen oder Stürzen der bisweilen chaotischen Anfangsphase zu entgehen. Ziemlich zügig waren die ersten Kilometer bald absolviert und nachdem ich mich im Windschatten einiger Begleiter die Fuchsröhre in neuem persönlichem Rekordtempo von 93 km/h hinab stürzte, war ich endgültig dem Rennfieber erlegen.
Im Anstieg zur Hohen Acht bröckelte das Fahrerfeld schließlich komplett auseinander und endlich konnte ich gefahrlos die volle Breite der Rennstrecke nutzen. Mit gleichmäßigem Rhythmus fuhr ich spielend den Berg hinauf und nach knapp 48 Minuten zum ersten Mal über die Ziellinie. In der Box des „Team Eifelpower“, wo ich diesmal einquartiert war, wartete schon Betreuer Heinz Geisbüsch und überreichte mir zügig eine neue Trinkflasche und ein Tetrapack meiner Flüssignahrung. Diese Prozedur wiederholten wir über die komplette Renndauer immer mit Beginn einer neuen Runde, wodurch ich bestens versorgt war.
Im Zuge der nächsten Runden fand ich immer besser in meinen Rennrhythmus und pendelte meine Rundenzeiten grob im Bereich von einer Stunde ein. Insgesamt lief es also großartig, einzig die große Hitze machte mir zu schaffen, besonders im Anstieg zur Hohen Acht. Ausreichend Flüssigkeit sorgte aber auch hier für einen „kühlen Kopf“.
Mit Beginn der Nacht wurde es dann merklich kühler und angenehmer. Jetzt setzten mir weniger die Temperaturen, sondern mehr das anspruchsvolle Höhenprofil der Nordschleife zu. Immerhin hatte ich nach 10 Runden schon ca. 250 km und 5500 Höhenmeter in den Beinen, was in etwa dem Ötztaler Radmarathon entspricht.

In gleichmäßigem Rhythmus und immer darauf bedacht, mich in den Anstiegen nicht zu verausgaben, setzte ich die Fahrt unbeirrt fort und genoss die nächtliche Atmosphäre auf der Strecke. In den Abfahrten Fuchsröhre und auch hinab nach Breitscheid ließ sich auch in der Dunkelheit - dank des genialen Straßenbelags - noch mit Vollgas fahren. 10rar4Bis hinauf zur Hohen Acht war zudem eine lang gezogene Lichterkette zu sehen, immer wieder ein motivierender Anblick.  
Gegen 1 Uhr nachts, in Runde 11, überkam mich auf dem Weg zur Hohen Acht erstmals eine große Müdigkeit. Das monotone Bergauffahren in der Dunkelheit und die Stille entlang der Strecke ließen meine Augen zufallen und ich musste gegen aufkommenden Sekundenschlaf ankämpfen. In der folgenden Runde waren die Probleme dann so groß, dass ich mich für ein kurzes Nickerchen in der Box entschied. Schon beim Rennen in Fell konnte ich so nach einer kurzen Schlafpause am Morgen wieder relativ „erfrischt“ weiterfahren.
Diesmal wachte ich jedoch nach ca. 30 Minuten Schlaf wenig ausgeruht, sondern mit bleichem Gesicht und ziemlich benommen auf. Leider hatte ich vorher vergessen weiterhin zu essen - ein fataler Fehler! So ließ mich mein Kreislauf im Stich und schon wieder überkam mich starke Übelkeit. Auch weitere Nahrungsaufnahme half zunächst nicht und ich legte mich nochmals schlafen. Gegen 5 Uhr ging es mir dann wieder etwas besser und mit Sonnenaufgang konnte ich die Fahrt fortsetzten. Müde, ausgelaugt und ziemlich fertig schleppte ich mich wieder aufs Rad und fuhr in lockerem Tempo zurück auf die Strecke. Die Motivation war auf dem Tiefpunkt angelangt und eigentlich wollte ich nur noch schlafen.
„Wenn du jetzt aufhörst, dann war die ganze Vorbereitung für die Katz. Also reiß dich zusammen und fahr weiter. Schließlich ist Rad am Ring nur einmal im Jahr.“

Mit Floskeln wie dieser hielt ich mich auf dem Rad und fuhr dem Rennende am Mittag entgegen. In Gedanken war ich immer nur mit der nächsten Runde beschäftigt, durch kurze Pausen im Anschluss jeder Runde tankte ich wieder genügend Kraft zur Weiterfahrt. Am schlimmsten war jetzt zweifelsohne die 17%-ige Rampe zum Schluss der Hohen Acht, die mir die letzten Kräfte raubte und mich beinahe zum Absteigen brachte.
Mittags, kurz vor Ablauf des 24-Stunden-Countdowns und damit der Möglichkeit, noch eine weitere Runde fahren zu "dürfen", befand ich mich auf der langen Geraden der Döttinger Höhe. Normalerweise ist die Strecke von hier bis zum Ziel in wenigen Minuten zu absolvieren, in meinem derzeitigen Schneckentempo dauerte es jedoch eine Ewigkeit. So überfuhr ich schließlich wenige Sekunden über der Zeit als 56. (von 367 Finishern) zum letzten Mal die Ziellinie und hatte nicht einmal mehr die Kraft, mich über die absolvierten 18 Runden und damit in etwa 10000 bezwungenen Höhenmeter zu freuen.
Für die anvisierten 20 Runden sollte es am Ende also nicht mehr reichen, selbst eine 19. Runde war in diesem Moment nicht mehr vorstellbar. Meine gefahrene Leistung aus dem Vorjahr konnte ich aber trotzdem einstellen.

Als Fazit des Rennens muss ich ganz klar feststellen, dass Langstreckenfahrten nicht nur durch Training, sonder vor allem im Kopf entschieden werden. Wenn dieser nicht mitspielt, wird es sehr schwierig, sein Ziel zu erreichen. In diesem Jahr war ich körperlich besser drauf als im Vorjahr, doch mental ließ meine Form leider zu wünschen übrig, was letztlich den Ausschlag für den Ausgang des Rennens gab. Nichtsdestotrotz bin ich mit meinem Ergebnis und auch der Vorbereitung sehr zufrieden.
Auch von mir an dieser Stelle ein besonderer Dank an alle Unterstützer und das Eifelpower-Team, besonders Heinz Geisbüsch und Thomas Port.

 

"Bilder zu Rad am Ring 2010" (#42)

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