„24.-26. September – Riderman: Drei-Etappenfahrt in Bad Dürrheim“
Der ist eine Jedermann-Etappenfahrt über drei Tage mit Start und Ziel jeweils in Bad Dürrheim im Süden von Baden-Württemberg.
Ich wurde schon vor Jahren auf die Veranstaltung aufmerksam, schaffe es aber irgendwie nie teilzunehmen. Als ich dann aber mein Projekt der 10 Marathons am ersten Septemberwochenende erfolgreich beendet hatte, suchte ich noch nach einer schönen Veranstaltung zum Saisonabschluss. Die Form war auch noch ganz ok und so buchte ich ein Zimmer und meldete mich an.
Ausgerechnet in der Woche vor dem Wettkampf hatte ich zum ersten Mal in dieser Saison mit einer Erkältung zu kämpfen und als ob das nicht genug wäre, verhieß der Wetterbericht nach einer tollen Spätsommerwoche ein komplett verregnetes Wochenende.
Trotzdem wurde das Auto gepackt, versuchen wollte ich es auf jeden Fall. Schon während der gesamten Autofahrt regnete es ununterbrochen.
1. Etappe: Einzelzeitfahren über 17,0 km – 100 Hm
Vor Ort noch schnell die Startunterlagen abgeholt und das Zimmer bezogen und dann hieß es auch schon für den Start fertig machen. Für den Freitagabend stand ein Einzelzeitfahren über 17 km an. „Das ist doch was für mich.“, dachte ich und steckte mir das Ziel mindestens die Top 100 zu knacken, da dies am darauf folgenden Samstag für den ersten Startblock reichen würde (je 100 Fahrer pro Block). Da es weiter wie aus Eimern goss, verzichtete ich weitestgehend aufs Warmfahren und begab mich zum Start. Alle 15 Sekunden ging ein Starter von der Rampe. Ich war um 17:51:30 Uhr an der Reihe. Oben auf der Rampe stehend kam ich nicht richtig ins linke Pedal und fuhr in Folge dessen beim Start fast links die Rampe runter. „Oh man, geht ja gut los, jetzt aber Vollgas…“, dachte ich mir und fuhr prompt viel zu schnell in die erste Kurve, wo ich mich aufgrund der Nässe mal so richtig verbremste, was aber gerade noch mal gut ging.
In der Folge führte die Strecke eng und kurvig zunächst durch den Kurpark und später dann weiter über Wirtschaftswege. Direkt vor mir war ein unheimlich professionell aussehender Fahrer gestartet. Komplettes Zeitfahrrad mit Zeitfahrhelm und allem drum und dran. Am Start stand er mit so einer Warmhalte-Alufolie die man von Rettungssanitätern kennt. Bei dieser Ausrüstung rechnete ich mir keinerlei Chancen aus, ihn eventuell einzuholen.
Umso überraschter war ich, dass ich ihn auf den ersten Kilometern in Sichtweite halten konnte. Das motivierte mich zusätzlich. Die Strecke gefiel mir auch ganz gut. Es gab ständig kleinere Anstiege/Hügel mit selten mehr als 10 Höhenmetern, die man hoch sprinten konnte. Hier konnte ich den Nachteil des fehlenden Triathlonlenkers gut ausgleichen. Freilich war es bei längeren Flachpassagen genau umgekehrt.
Trotzdem gelang es mir schnell einige langsamere Fahrer zu überholen. Mit der Zeit kam ich auch dem vor mir gestarteten Fahrer mit jedem Hügel näher, um ihn schließlich ca. bei Kilometer 12 erst einzuholen und dann abzuhängen. Insgesamt überholte ich 8 Fahrer und wurde von niemandem eingeholt. Die daraus resultierende Hoffnung auf eine gute Platzierung wurde beim Blick auf die Ergebnisliste leider zerstört. Platz 112 bedeutet für die 2. Etappe leider Startblock B, was ich unbedingt vermeiden wollte.
1. Zdenek Peceny 0:23:39 Std.
2. Thomas Schweiger 0:23:43 Std.
3. Nino Ackermann 0:24:22 Std.
…
112. Martin Reis 0:27:56 Std.
P.S.: Bei der Nässe und den vielen Kurven ein unglaublicher 43er-Schnitt des Siegers !!! (zum Vergleich bei mir 36,5 km/h)
2. Tag: Straßenrennen über 81,5 km – 1020 Hm
Gesundheitlich hatte mir die Fahrt im Regen am Vortag nicht gut getan und so versuchte ich mich bestmöglich im Zimmer zu schonen, während draußen ein unaufhörlicher Dauerregen niederging. Trotzdem wollte ich um 15:30 Uhr am Start des ersten Straßenrennens über 81,5 km stehen. Es sei vorweggenommen, dass der Regen den ganzen Tag, und damit natürlich auch während des Rennens, nicht mehr aufhören würde. Entsprechend eingepackt (sogar mit den Neoprenüberschuhen) erschien ich auch am Start und reihte mich in Block B ein.
Die Marschroute war klar: „Erstmal aus allem raushalten, bei der Nässe vor allem Stürzen aus dem Weg gehen und dann gegen Ende sehen was geht.“
Diese Maßgabe habe ich dann nach ca. 2 km über Bord geworfen, da ich mich im ersten lang gezogenen Anstieg gut fühlte und beschloss, mich nach vorne zu arbeiten. Bei der folgenden Abfahrt lief wieder einiges zusammen und es hatte sich eine knapp 30 Mann starke Gruppe gebildet. Schon bei den ersten Hügeln merkte ich, dass ich am Berg zu den stärkeren gehörte. Da ich von der Erkältung nichts spürte, wollte ich in dieser Gruppe bleiben. Bei der ersten offiziellen Bergwertung (von 4 auf der heutigen Etappe) wurde dann noch mal selektiert, danach stand die Gruppe für die nächsten 50 km. Die Abfahrten wurden von allen sehr vorsichtig gefahren und auch alle Kurven rechtzeitig angesagt, weswegen ich zu meiner positiven Überraschung keinen Sturz gesehen habe.
Die ständig überholenden Polizeimotorräder und die vereinzelten Teamfahrzeuge sorgten im weiteren Rennverlauf für eine professionelle Rennatmosphäre.
Als das Rennen auf die letzten 20 km ging, hatte ich immer noch Reserven und beschloss daher noch eine Attacke zu fahren. Unsere Gruppe hatte sich schon geteilt und wir waren mit ca. 10 Mann vorne. Vom Studium des Höhenprofils wusste ich, dass die letzte Bergwertung ca. 10 km vor dem Ziel wartete. Als wir dort ankamen, dachte ich, „super, genau richtig für mich…“, angesichts einer 6-7 prozentigen Steigung. Also großes Blatt und los. Erstmal konnte oder wollte keiner folgen. Da, wo ich die Kuppe vermutete, stand mitten auf der Straße ein Polizist, also wartete ein Abzweig und was für einer. Links ab in eine min. 15 %-Rampe. „Sch…!“
Es war dann nicht so lang wie befürchtet und genau an der Bergwertung holte ich einen Einzelkämpfer ein, mit dem ich nun vor meiner ehemaligen Gruppe fliehen wollte. Doch 8 km sind lang und sie kamen immer näher. Schließlich retteten wir 2 Sekunden ins Ziel ;-)
Für die Gesamtwertung war die Attacke also umsonst, hatte mir aber einige Plätze im Tagesklassement gebracht. Platz 69 sollte doch hoffentlich reichen um unter die ersten 100 in der Gesamtwertung zu kommen, was dann für die letzte Etappe Startblock A bedeuten würde. Für diese Etappe besonders wichtig, da am Sonntag auch Tagesfahrer starteten, von denen jeweils 75 zusätzlich in jeden Startblock durften. Mit Platz 72 hat es dann auch funktioniert.
1. Micula Dematteis 2:13:29 Std.
2. Michael Rinke 2:13:50 Std.
3. Zdenek Peceny 2:13:50 Std.
…
69. Martin Reis 2:29:50 Std.
Gesamtwertung:
1. Zdenek Peceny 2:37:29 Std.
…
72. Martin Reis 2:57:47 Std.
Tag 3: Straßenrennen über 68,1 km – 850 Hm
Kurz vor dem Start schien die Sonne und es sollte tatsächlich zwar kühl aber trocken bleiben. Also ab in Startblock A und direkt nach dem Start um 10:45 Uhr so weit nach vorne wie möglich, da die ersten 10 km nach Donaueschingen tellerflach waren und damit in solch großen Feldern hohe Sturzgefahr besteht. Es gab auch tatsächlich einige Male die bekannte Ziehharmonika, ging aber alles gut. Im ersten Berg merkte ich dann, ich konnte der Spitze nicht richtig folgen. Also irgendwo im Mittelfeld einreihen und hoffen, dass die Beine irgendwann „aufgehen“. Beim Streckenstudium war mir der längste Anstieg des Wochenendes in der Hälfte der Etappe aufgefallen. Dieser Punkt sollte auch bei mir der Wendepunkt sein. Bis dahin hatte ich Probleme und spürte die Belastungen der Vortage. Ab der Bergwertung aber lief es immer besser und ich konnte richtig Druck aufs Pedal geben. Mit einigen wenigen Fahrern nahm ich so die Verfolgung einer größeren Gruppe (ca. 40 Mann) etwa 1 Minute vor uns auf. Wir konnten uns zwar nach hinten immer weiter absetzen, die Lücke nach vorne war jedoch mit maximal 3 Leuten in der Führungsarbeit nicht zu schließen. Wir sammelten noch ein paar versprengte Fahrer auf, mehr war nach vorne aber nicht drin. Auf den letzten 5 Kilometern attackierte ich noch mal mit einem weiteren Fahrer um wenigstens unsere Kleingruppe zu distanzieren. Wir waren ohnehin diejenigen, die fast die gesamte Führungsarbeit machten und wollten daher unsere Begleiter nicht ins Ziel eskortieren.
Nach 1:56:50 war ich schließlich auf Platz 115 im Ziel. Berücksichtigt man die Tagesstarter, war es wahrscheinlich ein ähnliches Ergebnis wie bei der zweiten Etappe. Trotzdem dachte ich angesichts der verbliebenen Kraftreserven und der Renngestaltung auf den letzten 30 km, dass da durchaus mehr drin gewesen wäre. Schade.
1. Marek Maluszczak 1:48:16 Std.
2. Zdenek Peceny 1:48:16 Std.
3. Michael Rinke 1:48:16 Std.
…
115. Martin Reis 1:56:50 Std.
Gesamtwertung:
1. Zdenek Peceny 4:25:46 Std.
2. Thomas Schweiger 4:25:57 Std.
3. Nino Ackermann 4:26:33 Std.
…
69. Martin Reis 4:54:37 Std.
In der Altersklasse Herren bedeutete dies für mich den 16. Gesamtplatz.
Fazit: Es hat einfach mal Spaß gemacht ein Etappenrennen zu bestreiten, auch wenn die Voraussetzungen nicht besonders gut waren. Ich bin trotzdem mit dem Wochenende zufrieden und denke, dass ich noch mal wiederkommen werde. Hoffentlich dann bei besserem Wetter.
Martin Reis
"Bilder zum Riderman" (#10)

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