| 600km Brevet Köln 2011 |
11. - 12. Juni: Grenzerfahrungen auf der Langstrecke. Mit ausreichendem Training und guter Form ging es am Pfingstwochenende für Paolo und mich zum „600er“ nach Troisdorf-Spich, dem Startort der Randonneure Köln/Bergisches Land. Während Paolo schon einige Male zuvor Distanzen von 600 km absolviert hat, war dies für mich absolutes Neuland. Dementsprechend neugierig war ich zu erfahren, wie ich mit der Streckenlänge und vor allem der langen Fahrzeit inklusive Nachtfahrt zurechtkommen würde. Der Start zum Brevet erfolgte wie gewohnt um 6 Uhr früh, diesmal bei kühlen 10°C auf durchnässten Straßen. Kurz vor dem Start viel bei unserer Anfahrt noch einmal ein kräftiger Schauer vom Himmel, der Regen verschonte uns aber glücklicherweise im weiteren Verlauf. Die Strecke führte uns auf mehr oder weniger direktem Wege zum Ort Großwieden auf halber Strecke zwischen Bielefeld und Hannover. Auf einer an manchen Stellen abweichenden Route ging es dann schließlich wieder zurück. Vorbei an der Möhne-Talsperre erreichten wir nur 25 Kilometer später Kontrolle 3 in Soest. Nachmittags folgte dann ein langer, tellerflacher Abschnitt über Lippstadt und Detmold. Hier ließen sich in der Gruppe nicht nur sehr gut Kräfte sparen, sondern auch viele Kilometer schnell gut machen. Eine erste kleine Müdigkeit machte sich bei mir zudem bemerkbar, denn der Streckenverlauf bot in diesem Teil nur wenig Abwechslung. Da wir leider die letzte Fähre über die Weser nicht mehr rechtzeitig erreichten, mussten wir noch einen kleinen Umweg über eine Brücke bis zur Halbzeit bei Km 312 in Großwieden fahren. Hier erwartete uns dann zu Hause beim Organisator und Weserbergland-Chef Uwe eine sehr willkommene, köstliche Nudelmahlzeit. Dazu gab es noch heißen Kaffee, der sich bei mir zumindest für die kommende Nacht (vorerst) noch bezahlt machen sollte. Nach dieser wohltuenden Pause machten wir uns nun bestens präpariert für die Nachtfahrt im Schein der untergehenden Sonne auf den langen Rückweg. Mit der einsetzenden Dunkelheit kehrte eine angenehme Stille ein und wir genossen die ungewohnte Abend-Atmosphäre auf dem Rad. Anstelle einer Besserung wurde die Müdigkeit bei mir aber immer schlimmer, doch alles Klagen half natürlich nichts, denn ich musste ja weiter. Auch die Helligkeit im Morgengrauen brachte leider keine Veränderung, jetzt musste ich auch noch mit gefährlichem Sekundenschlaf fertig werden. Zurück an der Tankstelle in Neheim (KM 481) schloss ich auf einem Tisch liegend für knapp 10 Minuten die Augen. Auf den nächsten Kilometern lies es sich dank des Nickerchens wieder etwas besser fahren. Zum großen Finale der Tour mussten wir dann abermals das Bergische Land durchqueren. Sollte es hier einen überwiegend flachen Weg durch die Täler geben, so bekamen wir ihn nicht zu Gesicht. Stattdessen gaben uns die Streckenplaner jede verfügbare Steigung mit auf den Weg, die eine steiler und (für mich) zermürbender als die andere. Die giftigen Anstiege gaben mir nun in Kombination mit dem Schlafmangel und zunehmend wärmeren Temperaturen den Rest. Zur besten Frühstückszeit gelangten wir nach für mich endlosen Kilometern entlang mehrerer Talsperren zur letzten Kontrolle in Meinerzhagen (Km 541) und füllten nochmals kräftig unsere Energiespeicher (Unverschämterweise wurden uns beim gegenüberliegenden „Mäcces“ ein paar köstliche und zu diesem Zeitpunkt sicherlich aufmunternde Cheeseburger verwehrt, da es nur Frühstück gab!). Ich war mir nicht sicher wie, aber den verbleibenden Weg bis nach Troisdorf würde ich jetzt auch noch schaffen. Zu allem Überfluss verfuhren wir uns noch in einer Abfahrt und mussten einen kleinen Umweg über eine steile Rampe nehmen, die mich zum Verzweifeln brachte und „fast“ zum Absteigen gezwungen hätte. Irgendwie jedoch schaffte ich auch dieses Hindernis und trieb mich immer weiter an. Schließlich – nein, ENDLICH - erreichten wir am Mittag das Ziel in Troisdorf. 26,5 h betrug am Schluss unsere Fahrzeit, 32 h waren wir insgesamt unterwegs. Auf dem Tacho staunte ich dazu nicht schlecht über die gefahrenen 641 km, mein persönlicher Rekord bis dato. Fazit: Körperlich war die Tour sicher nicht ganz so zehrend wie z.B. die 24h-Rennen am Nürburgring. Mental war die Belastung dagegen um ein Vielfaches höher. Der dauernde Kampf gegen den Schlaf und die Motivation forderten allmählich ihren Tribut. Insgesamt war der 600er für mich eine absolute Grenzerfahrung, vielleicht wurde sogar die Grenze überschritten. Martin Schäfer (Bild 2+3 von Dr. Stefan Schumann)
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