März 2020: Eine Kaffeefahrt in Flandern

Oder: Die RTF in meinem Keller.

Bericht von Michael Voss

 

In Zeiten von verantwortungsvollem Verhalten bezüglich der Corona-Krise bleiben einem Radfahrer nur wenige Möglichkeiten, sich seinem Hobby in gewohntem Umfeld – sprich RTFs, Rennen oder Gruppentraining – zu widmen. Doch wie kommt man alternativ auf Kilometer, Höhenmeter und/oder Gruppentraining? Wohl dem der eine Rolle mit Verbindung zum „social riding“ im Internet hat. Unter den vielen Anbietern von Radfahr-Software dürfte Zwift, ohne Wertung, die meistgenutzte Alternative sowohl für Rennrad- als auch MTB-Fahrer darstellen. Ob bei diversen Einzelrennen mit den verschiedensten Leistungsklassen, kompletten Rennserien wie der Tour de Zwift oder den Fondo-Events – für jeden ist etwas dabei.

 

Mir persönlich fehlte bei Kaiserwetter Ende März die Möglichkeit, irgendeine RTF mit Gleichgesinnten fahren zu dürfen. Ob der Lagerkoller dabei eine Rolle spielte, sei an dieser Stelle außen vorgelassen. Also: Smartphone rausgeholt und im Zwift Companion, der App zum Hauptprogramm, nach einem Fondo gesucht, der eine schöne Trainingsrunde ohne extreme Quälerei versprach. Fündig geworden bin ich bei den Zwift Riders Belgium und ihrem „Flanders Coffee Ride“ – nein, es ging nicht um den Nachbarn von Homer Simpson, sondern um eine sonntagmorgendliche Kaffeefahrt. Auf dem Programm standen 120 Minuten in der Watopia, der Hauptwelt von Zwift. Der Kurs kam dabei unserer Specktour recht nahe: Viele Flachstücke und ein paar Höhenmeter zwecks Beweises der Form (oder der Unförmigkeit). Man muss sich die Fahrt so vorstellen, dass unter der Leitung eines Guides, in diesem Fall ein Level 48 von 50 Tier aus Flandern mit 1.200km/Monat (!), ein Hauptfeld startet, dass sich in Leistungsgruppen sortiert, wobei das Gruppetto von einem zweiten Guide „aufgefangen“ wird.

 

Ausgegeben war bei dieser Fahrt die Zielsetzung, mit 2,0 bis 2,5 W/kg ins Ziel zu kommen. Bei meinem Fliegengewicht von 62kg… Spaß. Für mich bedeutet das: 160 bis 200 Watt Leistung. Eine schöne Trainingsausfahrt also. Je nach Event erhält man als Anreiz bei erfolgreicher Teilnahme ein virtuelles Trikot für seinen Avatar. So auch hier mit dem Trikot der Belgian Zwift Riders. Auf Grund der Ausgangssperren überall auf dem Kontinent verzeichnete das Event laut Veranstalter eine Rekordteilnehmerzahl von 550 Radfahrern aus aller Herren Länder. Vorrangiges Thema war natürlich das Virus und in allen Chats äußerten die Fahrer zu Beginn der Fahrt gegenseitige Solidarität, was besonders den italienischen Teilnehmern galt und diese freute.

Los ging es also um 9:25 Uhr in meinem Keller. Zwei Bidons am Rahmen, Not-Riegel und ein Handtuch – so die leicht abweichende RTF Ausstattung im Keller. Dafür blieben Schlauch und Werkzeug in der Garage. Der schöne Nebeneffekt einer Gruppenfahrt neben dem reinen Entertainment durch Guide oder Mitfahrer ist der Windschatteneffekt, der sich bei einer solch riesigen Gruppe einstellt. Statt 35km/h oder ähnlichem als Schnittgeschwindigkeit geht das auch im mittleren Trainingsbereich bis zu 44km/h. Wohl wissend, dass sich schnell unterschiedliche Leistungsgruppen bilden würden und ich keine Lust hatte, einem zerfledderten Feld hinterher zu hechten, ordnete ich mich im vorderen Feld ein. Nach circa einer Viertelstunde erfolgte dann auch die erwartete Trennung in Spitzengruppe, Hauptfeld und Gruppetto. Mit einem Stundenmittel von knapp 41km/h ging es durch die Fuego Flats, vorbei am Vulkan und über den Ocean Drive zurück in die nächste Runde – für jedes Vereinsmitglied ohne Zwift-Anschluss hört sich das vielleicht verrückt an, aber die Abschnitte heißen nun einmal so. Die Gruppen arbeiteten über die vollen zwei Stunden sehr diszipliniert. Es wurde an den Zwischensprints weder gesprintet noch an den kleinen Rampen das Ego bewiesen. So schaffte die Spitzengruppe in den zwei Stunden 81,7km, was leistungsmäßig zwar mit einer erhöhten Leistung im Vergleich zum angepeilten Schnitt einherging, jedoch für mich persönlich noch komplett im Rahmen lag. Das Hauptfeld erreichte das Ziel acht Minuten nach der Spitze nur wenige Minuten vor dem Gruppetto.

 

Fazit der Kaffeefahrt in Flandern: Der Keller ersetzt auf keinen Fall das Gruppenerlebnis draußen, doch wie auch das dienstägliche Vereinstraining auf Zwift oder auch die Verabredungen mit einzelnen Vereinsmitgliedern zeigen, ist diese Art des Trainings im Winter ein schöner Ersatz und in außergewöhnlichen Zeiten ein Mittel, seinen Lieblingssport mit Gleichgesinnten ausüben zu können.

 

 

Wenn wir schon keine Erfahrungsberichte von Rennen in unserer Heimat bieten können, dann ist diese Art der Berichterstattung vielleicht ein Mittel, Kurzweil auf den Vereinsseiten zu bieten. Tour of Watopia, mit verrückten Leistungsdaten einzelner Vereinsmitglieder, sowie diverse Einzelrennberichte können folgen. 


Februar 2020: Trainingslager Mallorca

Pressebericht von Martin Reis

 

„Die Sieger des Sommers werden im Winter gemacht“, so lautet eine alte Trainerweisheit im Radsport. Gemeint ist vor allem das umfangorientierte Grundlagentraining in den Wintermonaten, mit dem man die Basis für die Saisonhöhepunkte legt.

 

So floh auch dieses Jahr wieder eine Gruppe des RSC Eifelland Mayen auf die Baleareninsel Mallorca und fand tolle Bedingungen vor. Spaniens Sonne wartete mit für Februar ungewöhnlich hohen und stabilen Temperaturen auf, was die RSCler aus dem Vollen schöpfen ließ. Neben dem Ziel, wichtige Kilometer in die Beine zu bekommen, spielt auch die gesteigerte Motivation durch die sommerlich anmutenden Fahrten in kurzer Kleidung eine große Rolle. Die schöne Landschaft und gute Infrastruktur der Insel machen ein abwechslungsreiches Fahren möglich.

 

Bei traumhaftem Wetter erradelten die Mayener viele der landschaftlichen Höhepunkte Mallorcas. So besuchten die Eifelländer bekannte Ziele wie Sant Salvador, Randa Cura, Puig Major, das Kloster Lluc oder die Steilküste im Westen. Die Straßen zum Cap Formentor und nach Sa Calobra sind natürlich die absoluten Höhepunkte und es ist immer wieder ein Erlebnis, die wunderschön angelegten Asphaltbänder unter die Räder zu nehmen. Ihr Verlauf, der Kurvenreichtum und nicht zuletzt die perfekte Kulisse mit felsiger Steilküste über dem tiefblauen Mittelmehr sorgen für die radsportlichen Höhepunkte auf der Insel. So kehrten die Eifelländer gut gerüstet zurück und versuchen nun, mit guter Grundlage in die Saison zu gehen. 

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